Ansprache zur Verleihung des goldenen Kronenkreuzes der Diakonie
Superintendent Dieter Tometten am 10. März 2012 in der St. Petrikirche in Soest
Ansprache zu Markus 11,24 (Tageslosung):

Fünf Buchstaben aus der Bibel: "g - e - b - e - t".
Sie haben es erraten? Sie sind nicht sicher? Sie haben verschiedene Lösungen? Ich werde Ihnen helfen. Es geht dann ungefähr so weiter: g-e-b-e-t ... und "ihr empfangt." Also?
Wir lesen: Gebet oder Gebet. Ich finde es wunderbar, dass das in unserer Schriftsprache so leicht zu verwechseln ist. Es gehört einfach eng zusammen. Gebet und ihr empfangt. Ein tiefes biblisches Wissen ist das, das auch Jesus getragen hat. Er konnte geben und zum Geben einladen, weil er sich selbst als Empfangender erlebte. Jesus sagt auch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr's empfangt, so  wird's euch zuteil werden.

Gebet - deswegen sind wir heute hier: Sie haben gegeben. Unermüdlich gegeben. 25 Jahre lang und mehr, immer wieder. Zeit, Aufmerksamkeit, Fähigkeit, selbstverständlich ihr Auto, Ihr Telefon, Ihre Küche eingesetzt, Kosten getragen. Sie haben gegeben, von dem, was sie hatten. Und das wurde gebraucht. Diakonisch - Dienst am Nächsten - heute sind ganz viele hier, die für und mit Gehörlosen arbeiten. Sie haben geholfen, die unsichtbaren Mauern zwischen den Hörenden und den Nichthörenden zu überwinden. Sie haben dazu beigetragen, das Leben zu entdecken und zu entfalten, selbst wenn es kein oder nicht genug Gehör dazu gibt.

Da gibt es nun allerdings eine Entdeckung, die einen zum Staunen bringt. Man geht hin, um zu helfen. Und man macht dabei für sich selbst unerwartete Entdeckungen. Herzlichkeit! Erfindungsreichtum! Immer wieder können Sie entdecken, dass es doch noch einen Weg gibt. Wie oft kamen Sie nach Hause und fanden sich selbst durch die Begegnungen beschenkt und bereichert. Helfen und begleiten dürfen und erleben, dass das angenommen wird. Über die Hilfe hinaus ist eine Gemeinschaft entstanden, die trägt und das Leben reicher macht. Das ist eine Erfahrung, die einem selbst gut tut, einen aufbaut und Mut gibt. Gebet und ihr werdet empfangen.

Tatsächlich kann man das mit dem Gebet gut in Verbindung bringen: Um Hilfe für Menschen bitten wir. Wir beten, dass Gott den Bedürftigen, den Benachteiligten, den Schwachen, den Kleinen, den Alten, den Fremden, denen auf der Flucht, denen am Rande, die nicht mehr ein und aus wissen, Hilfe zukommen lassen möge. Wie Jesus es von dem Mann erzählte, der von dem barmherzigen Samariter gefunden wurde. Wir beten in unseren Gottesdiensten, in Kirchen wie dieser, wir beten zu Hause für diese Menschen. Denn wir sind überzeugt, dass Gott ihnen volles Leben und Würde schenkt. Gott lässt sie auch in ihrer schwierigen Situation nicht allein.

Wir haben es an uns selbst erlebt. Daher wissen wir das. Gott hat uns unser Leben gegeben. Hat uns taufen lassen. Mein Kind, sagt er zu uns. Du bist mein Kind. Das hat uns Gott gegeben. Und viel dafür getan. Täglich Brot bis heute hat Gott gegeben. Und manches mehr.

Mit Gottes Geben also fing es immer schon an. Und wir bitten, dass Gott weiter gibt, auch den anderen. Gerade denen, die es so dringend brauchen. So sind wir mit dem Gebet mittendrin in der Geschichte des Gebens. Wir beziehen die Menschen ein in unsere Geschichte. Wir geben ihnen von dem ab, was wir haben. Und können sehen, dass es tatsächlich so weitergeht: Es hilft. Der Funke der Liebe Gottes springt über. Es wird warm und hell. Alles, worum ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr's empfangt. Gottes Gabe ist unerschöpflich. Diese Quelle versiegt nicht. Was wir im Gebet erbitten, kommt daher. Was wir geben, geben wir aus dieser Quelle weiter. Und es entsteht Gemeinschaft und Leben.

Wir danken Gott dafür. Wir danken Gott, dass wir uns daran beteiligen dürfen. Wir danken uns gegenseitig, dass wir uns darin gegenseitig bestärken.

Ein Zeichen dieser Dankbarkeit ist das Kronenkreuz, das einigen heute als Anerkennung überreicht wird. Das Kreuz steht für die Schwächen und Nöte der Menschen. Es steht für die Nähe Gottes bei ihnen, bei uns. Christus an unserer Seite. Und die Krone erinnert, dass Gottes Macht die größte ist. Die Liebe siegt. In diesem Sinne haben Sie sich engagiert. Das bestärkt uns alle. Danke.

Amen.

Superintendent Dieter Tometten
dieter.tometten@kirchenkreis-soest.de

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

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