Datenschutz ist Persönlichkeitsschutz. Jeder Bürger hat grundsätzlich das Recht (Persönlichkeitsrecht) und die Freiheit grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung seiner persönlichen Daten zu bestimmen (informationelle Selbstbestimmung). Ausnahmen von dieser Regelung sind im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), den Datenschutzgesetzen der Länder und in den kirchlichen Datenschutzgesetzen geregelt. Das betrifft in besonderem Maße all die personenbezogenen Daten, die in IT-Systemen verarbeitet werden.

Einem besonderen Schutz unterliegen Daten über rassische und ethnische Herkunft, die politische Meinung, religiöse oder philosophische Überzeugungen, die Gewerkschaftszugehörigkeit, die Gesundheit und das Sexualleben. Bei diesen bedarf die Verwendung der Daten einer ausdrücklichen Zustimmung des oder der Betroffenen.

Die Häufung von Datenmissbrauchsfällen in den letzten Jahren hat nicht nur zu einer erhöhten Aufmerksamkeit der Bevölkerung im Blick auf die Nutzung personenbezogener Daten geführt, sondern war 2009 auch Anlass für eine Novellierung des Bundesdatenschutzgesetztes (BDSG). Die Nutzung personenbezogener Daten ist deutlich eingeschränkt und die Strafen für verschiedene Arten des Datenmissbrauches sind im neuen Bundesdatenschutzgesetz erheblich verschärft worden.

Kirchlicher Datenschutz
Im Fundraising benötigen wir bestimmte Daten und Informationen, um unsere Spenderinnen und Spender optimal betreuen zu können. Kirchliches Fundraising hat hier einen großen Vorteil, da es sich in erster Linie an Kirchenmitglieder wendet. Die Kirchengemeinde kennt Namen, Adressen und Alter ihrer Mitglieder und deren Familienangehörigen. Darüber hinaus verfügt sie über Kasualdaten und erhält von den Kommunen regelmäßig  Mitteilung, wenn jemand umzieht oder sich umpfarren lässt. Gerade weil Kirchengemeinden über kommunale Meldedaten und die Gemeindegliederverzeichnisse Zugang zu sensiblen, personenbezogenen Daten haben, ist für die Nutzung und Verarbeitung dieser Daten besondere Sorgfalt geboten.

Die Kirchen sind für den Schutz der in ihrer Obhut befindlichen Daten selbst verantwortlich. Sie sind verpflichtet, einen inhaltlich ausreichenden Datenschutz zu gewährleisten und dessen Einhaltung zu überprüfen. Darüber hinaus sind sie als Empfänger staatlich übermittelter Daten (insbesondere Steuer- und Meldedaten) mittelbar verpflichtet, einen ausreichenden  Datenschutz zu gewährleisten. Grundlage des Datenschutzes im Bereich der evangelischen Kirchen ist das Datenschutzgesetz der EKD (DSG-EKD vom vom 12. November 1993, geändert durch Kirchengesetz vom 7. November 2002. Sie finden das DSG-EKD hier: http://www.kirchenrecht-ekd.de/showdocument/id/3437

Zu den Maßnahmen eines ausreichenden Datenschutzes, den die Kirchen wegen des verfassungsrechtlich garantierten Rechts auf informationelle Selbstbestimmung zur Verfügung stellen müssen, gehört die Einrichtung einer unabhängigen Instanz, die über die Einhaltung des Datenschhutzes wacht: der oder die Datenschutzbeauftragte. Die Datenschutzbeauftragen unterliegen einer besonderen Verschwiegenheitspflicht. Ihre Aufgaben umfassen neben einer umfangreichen Kontrollfunktion das Auskunfts- und Einsichtsrecht bzgl. personenbezogener Daten und Datenverarbeitungsprogrammen. Sie können Empfehlungen abgeben zur Verbesserung des Datenschutzes oder auch Beanstandungen feststellen und deren Abstellung verlangen. Wer in ihrer Landeskirche für den Datenschutz zuständig ist, erfahren Sie von ihrem Ansprechpartner für Fundraising hier oder über http://www.ekd.de/datenschutz/datenschutzbeauftragte.html

Fundraising und Datenschutz
Regelungen des Datenschutzes werden von denen, die mit personenbezogenen Daten umgehen, z.T. als lästig empfunden. Denken Sie immer daran, welche Sorgfalt und Datensparsamkeit Sie sich für den Umgang mit Ihren persönlichen Daten wünschen. Im Fundraising wollen Sie „dem richtigen Spender, zum geeigneten Zeitpunkt ein auf ihn zugeschnittenes Unterstützungsangebot" machen. Da ist es natürlich gut, seine Interessen (z.B. Kirchenmusik) zu kennen oder auch zu wissen, welches kirchliche Arbeitsfeld ihn gar nicht interessiert. Aber wo sind Grenzen, die Sie beachten müssen, um niemanden zu verärgern? Es geht im Fundraising immer darum, langfristige Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Solche gründen auf Vertrauen und setzen Sorgfalt in der Nutzung persönlicher Daten voraus. Dürfen Sie Informationen, die Sie aus Ihren kirchlichen Meldedaten erhalten weitergeben an die selbständige kirchliche Stiftung des Kirchenkreises? Dürfen Sie Daten von Familienangehörigen verwenden, die selbst nicht Kirchenmitglied sind? Können die kirchlichen Meldedaten für Fundraising-Aktionen auch auf dem privaten Rechner eines Kirchenvorstehers verarbeitet werden? Und überhaupt: wem „gehören“ die Daten eingentlich?  Datenschutzrechtliche Regelungen über die Speicherung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten schaffen Rechtssicherheit.

Mit der automatisierten personenbezogener Daten in spezieller Fundraising-Software begann eine neue Ära im kirchlichen Datenschutz. Es mussten Regelungen geschaffen werden, die für das neue Arbeitsfeld Fundraising die Anforderungen des Datenschutzes, es Kirchenmitglied-schaftsreches sowie die Einhaltung melderechtlicher Sperrvermerke gewährleisten.

So hat die Evangelische Kirche in Deutschland nach intensiver Vorarbeit den Gliedkirchen im Juli 2008 den Entwurf für „Ergänzende Durchführungsbestimmungen zum Datenschutzgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (DSG-EKD) zur Gewährleistung des Datenschutzes beim Fundraising" (Datenschutz-Durchführungsbestimmung-Fundraising – DSDBFR übersandt. Sie finden den Entwurf und die Erläuterung dazu hier:
http://www.kirchenrecht-ekd.de/showdocument/id/6303
Begründung zur Datenschutz-Durchführungsbestimmung-Fundraising (DSDBFR) vom 18.06.2008

Es obliegt den einzelnen Gliedkirchen diesen Entwurf so oder in abgeänderter Form zu beschließen. Ob es in Ihrer Landeskirche mittlerweile ergänzende Durchführungsbestimmungen für den Umgang mit personenbezogenen Daten im Fundraising gibt, erfahren Sie beim Ansprechpartner für Fundraising in ihrer Landeskirche hier.

Selbst wenn es noch keine konkrete Regelung für Fundraising und Datenverarbeitung gibt, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Achten Sie darauf, dass jeder, der in Ihrer Kirchengemeinde Zugang hat zu personenbezogenen Daten, eine Datenschutzerklärung unterschrieben hat. Sie erhalten diese über Ihre Landeskirche. Ein Muster der Verpflichtung zur Wahrung des Datenschutzes aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau  finden Sie hier:
    Erkundigen Sie sich bei Ihrem Ansprechpartnerfür Fundraising- hier, welche Datenschutzerklärung in Ihrer Landeskirche gilt und wo sie diese finden.
  • Wenn Sie eine Fundraising-Software einsetzen wollen, klären Sie die Zulässigkeit des Programmes sowie Zugriffs- und Nutzungsrechte mit dem zuständigen Datenschutzbeauftragten.

Beigefügt sind weitere hilfreiche Unterlagen zum Thema Datenschutz aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau:

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

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FACHLITERATUR
Damit die Kirche im Dorf bleibt: Fundraising

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Fundraising in Kirchengemeinden
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Literaturverzeichnis

 

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