Seit jeher bedenken Menschen die Kirche mit großzügigen Zuwendungen. Schenkungen zu Lebzeiten oder testamentarische Verfügungen sollen das fördern, was ihnen besonders am Herzen liegt: eine Gesellschaft, die auf christlichen Werten und Überzeugungen basiert. Neben der eigenen festen Verankerung im christlichen Glauben braucht es jedoch noch etwas anderes: eine enge, oft Jahrzehnte lang gewachsene Bindung an die Institution Kirche oder an die Kirchengemeinde sowie das tiefe Vertrauen, dass die Schenkung oder das Vermächtnis bei ihr in guten Händen ist.

Manch potentieller Erblasser überprüft bereits zu Lebzeiten, wie eine Einrichtung oder Institution mit einer Schenkung umgeht. Eine Großspende kann also eine Vorstufe zu einer geplanten testamentarischen Verfügung sein.

Doch wann immer es im Fundraising ums Erben oder Vererben geht, betreten wir dünnes Eis. Für viele Menschen handelt es sich hierbei um eine so persönliche Angelegenheit, dass sie ihre Gedanken nicht mit anderen Menschen teilen und jedenfalls nicht aktiv darauf angesprochen werden möchten. Erbschaften sind immer noch ein Tabuthema; schließlich hat das Erben und Vererben immer mit dem Tod eines Angehörigen oder dem eigenen Ableben zu tun, und darüber möchten viele nicht sprechen oder auch nur nachdenken.

Was kann Fundraising also in diesem Zusammenhang bewirken? Kann eine Kirchengemeinde Großspenden, Erbschaften und Vermächtnisse überhaupt aktiv einwerben? Und wie kann sie sich verhalten, um nicht in den Ruf der Erbschleicherei zu kommen?

Kirchengemeinden befinden sich hier schnell in einer Zwickmühle. Ausgerechnet diejenige Person, der Gemeindemitglieder besonderes Vertrauen entgegenbringen – die Pfarrerin oder der Pfarrer – ist als Ansprechpartner für Erbangelegenheiten denkbar ungeeignet. Undenkbar wäre es zum Beispiel, dass ein seelsorgerliches Gespräch am Krankenbett mit Hinweisen auf ein mögliches Vermächtnis zugunsten der Kirchengemeinde verbunden wird. Mit gutem Grund fordern daher die Landeskirchen, die Kirchengemeinden in diesen Fragen bereits beraten, die strikte Trennung von Seelsorge einerseits und Gesprächen oder Aktivitäten rund um das Thema Erbschaften andererseits. Lesen Sie hierzu den Vortrag "Seelsorge und Fundraising" von Christian Stäblein, Studiendirektor am Predigerseminar Loccum.

Ein Ausweg kann darin bestehen, dass Kirchengemeinden eine vertrauenswürdige Person, zum Beispiel aus dem Kirchenvorstand, zum Verantwortlichen für Erbschaftsfragen ernennen. So kann ein Gemeindemitglied zwar von sich aus der Pfarrerin oder dem Pfarrer seine Gedanken zur Regelung des Nachlasses mitteilen. Sie oder er wird das Mitglied dann jedoch an die beauftragte Person verweisen.

Bei dem gesamten Themenkomplex handelt es sich also um ein hochsensibles Feld. Ein aktives Einwerben von Vermächtnissen oder Erbschaften gerade in Kirchengemeinden erscheint unpassend. Wir meinen, dass eine Kirchengemeinde lediglich passive Angebote machen sollte – zum Beispiel das Angebot, Informationen anzufordern, sich zu einem selbst gewählten Zeitpunkt in der individuell benötigten Zeit mit dem Thema zu beschäftigen, eventuell ein persönliches Gespräch dazu zu führen. Fundraising-Aktivitäten von Kirchengemeinden in Bezug auf Erbschaften können also unseres Erachtens nur den Boden für solche Zuwendungen bereiten.

Dabei benötigen Kirchengemeinden fast zwingend die Unterstützung ihrer Landeskirche. Wie dies aussehen kann, zeigen wir Ihnen am Beispiel der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Sie hat, zum Teil in Kooperation mit der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Informationsmaterial erarbeitet, das den gesamten Themenkomplex beleuchtet und das Sie wie folgt downloaden können:

  • ein Faltblatt zum Vererben, das in Kirchengemeinden ausgelegt werden kann und das
  • ein Einlegeblatt enthält, mit dem weitere Informationen bei der Landeskirche angefordert werden können
  • einen Ratgeber zum Thema Erben und Vererben für Interessierte (es war eine bewusste Entscheidung, dass dieses weitergehende Informationsmaterial nur bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenstelle Ansbach angefordert werden kann; hierdurch soll innerhalb der Kirchengemeinde die Anonymität des Interessenten gewahrt werden)
  • eine diesem Ratgeber beigefügte Arbeitshilfe Vermögensübersicht
  • eine dem Ratgeber beigefügte Übersicht Was ist im Todesfall zu beachten?

Über diese Materialien wurde im Sonntagsblatt berichtet, worauf sich einige Gemeinden und auch einzelne Personen bei der Landeskirche meldeten.

Neben diesen für Kirchenmitglieder bestimmten Materialien finden Sie

Kirchengemeinden, die diese Handreichung bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirchenstelle anfragen, erhalten automatisch eine begleitende Beratung.

Fordert ein Gemeindemitglied Informationen bei der Landeskirchenstelle an, so erhält dessen Kirchengemeinde ebenfalls diese Handreichung zusammen mit dem Hinweis, dass das Thema Erben und Vererben ein mögliches Thema für sie sein könnte. Sie wird – ohne Namensnennung – darüber informiert, dass es eine Nachfrage aus der Gemeinde gab.

Die Landeskirchenstelle plant, weitere Faltblätter zu verschiedenen Themen des letzten Lebensabschnittes zu publizieren: Demenz, Patientenverfügungen und Hospize. Angedacht sind auch Informationsveranstaltungen zu allen diesen Themen.

Fragen Sie die Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in Ihrer Landeskirche nach bereits vorhandenen oder geplanten Unterstützungsmöglichkeiten für Ihr Erbschaftsfundraising. Die Kontaktdaten finden Sie hier.

Foto: epd-bild / Alexander Stein

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

> LESEN
 
FACHLITERATUR
Damit die Kirche im Dorf bleibt: Fundraising

Praxisbeispiele für kirchliches Fundraising von Helmut Liebs

14,80 EUR

  > MEHR  
 
Fundraising in Kirchengemeinden
Ein Leitfaden für Qualitätsentwicklung. Hardcover-Ordner zu beziehen über alken@fundraisingakademie.de
25,00 EUR
 
Literaturverzeichnis

 

PARTNER IN IHRER NÄHE