Im zweiten Halbjahr 2007 wandte sich das Familienzentrum „Die Insel“ aus Suhl an das Landeskirchenamt. „Die Insel“ ist eine einzigartige soziale Einrichtung in Suhl. Sie sucht die bedürftigen Menschen auf, koppelt Beratung, Seelsorge und soziale Betreuung miteinander, gibt niemanden auf, ist ein Haus für alle Generationen, führt die Familienpflege in Suhl durch und übernimmt Familienpatenschaften.

Aber trotz dieses reichhaltigen sozialen Engagements war nun dringende Unterstützung durch das Fundraising notwendig: Wenn bis Ende 2007 nicht umgehend rund 30.000 Euro eingeworben würden, müssten die bisherigen Leistungen der Insel deutlich reduziert werden.

Bei der gemeinsamen Konzept-Arbeit mit einem vor Ort zusammengestellten kleinen Fundraising-Team wurde bei der SWOT-Bilanz-Analyse sehr schnell klar: Zwar ist die Insel ein stadtbekanntes Haus mit einer nun schon zehnjährigen Tradition, welches für seine soziale Arbeit sehr geschätzt wird. Aber die Tatsache, daß die Insel mit massiven finanziellen Problemen zu tun hat, war der Öffentlichkeit nahezu unbekannt.

Als einfachste Lösung des Problems bot sich ein „Low-Budget-Mailing“ an.
Das „Low-Budget-Mailing“ unterscheidet sich von einem klassischen Spendenbrief vor allem in zwei Punkten: Es ist nicht personalisiert, und es wird nicht an eine klar abgegrenzte Zielgruppe verschickt, sondern von ehrenamtlichen Helfern an alle Haushalte der Stadt verteilt. Dadurch werden zum einen die Kosten sehr niedrig gehalten und zum anderen aus der „allgemeinen Öffentlichkeit“ die „Interessierten“ und die „Erst-Spender“ herausgefiltert, womit die Basis für den Aufbau einer Spenderdatenbank gelegt ist.

Mit diesem Low-Budget-Mailing der Insel in Suhl konnten gleich die zwei wichtigsten Probleme mit einer Klappe geschlagen werden: Die Einwohner der Stadt Suhl wurden über die grundlegende Tatsache informiert, daß die Insel finanziell „Land unter“ zu gehen droht, und sie konnten gleich gebeten werden, sich für die Rettung des Familienzentrums zu engagieren.

Um den Spendenbrief zu entwickeln, schrieben Mitarbeitende der Insel authentische Geschichten aus der Arbeit der Insel auf. Eine als besonders bewegend und eindrücklich empfundene Geschichte wurde als Grundlage für den Text des Briefes ausgewählt, um den Menschen in Suhl nochmals die Arbeit der Insel nahe zu bringen.

Danach wurde der Brief professionell von einem Grafiker gestaltet, gedruckt, und Anfang November von über 120 ehrenamtlichen Helfern von Kirchengemeinden, Inselbesuchern, Jugendgruppen und Schulklassen an die rund 22.000 Haushalte in Suhl verteilt. Begleitet wurde die Verteil-Aktion mit einer Pressekonferenz.

Die Resonanz war überwältigend: Zahlreiche Presseartikel mit positiver Berichterstattung in den lokalen Medien, unterstützende Leserbriefe aus allen Teilen der Bevölkerung, das Familienzentrum „Die Insel“ Gesprächsthema in der Stadt – und: bereits nach zehn Banktagen ein Volumen von über 17.000 Euro auf dem Spendenkonto, welches sich bis zum Ende der Spendenaktion Mitte Januar 2008 auf fast 30.000 Euro aufsummierte.

Die Insel und ihre soziale Arbeit war gerettet.

Text: Walter Jungbauer

E-Mail: Walter.Jungbauer@ekmd.de
Telefon: 0 36 91 / 6 78-4 85

Foto: Evangelische Kirche in Mitteldeutschland

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

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