Sie haben geklärt, welche Zielgruppen für Ihr Projekt in Frage kommen. Wie können Sie diese nun am besten ansprechen?

Ansprache von Stiftungen
Für Ihr großes Sanierungsprojekt haben Sie sich natürlich zunächst der kirchlichen Unterstützung (Landeskirche und Kirchenkreis) versichert. Geeignete Stiftungen sind identifiziert. Haben Sie auch an die Stiftungen der (kirchlichen) Banken und Sparkassen gedacht? Die Stiftung der Bank für Kirche und Diakonie z.B. fördert die Erhaltung kirchlicher Bausubstanz. Stiftungsanträge gehören zu den ersten Maßnahmen; denn Stiftungen fördern in der Regel keine laufenden Projekte. Die Anträge müssen also vor dem Projektstart gestellt werden.

Finden Sie heraus, welche (Bewerbungs-)Fristen Sie einhalten müssen, welche Antragshöhe angemessen ist, welche Formalia einzuhalten und welche Unterlagen (Fotos, Finanzierungspläne etc.) beizufügen sind. Wann wird von der Stiftung über die Mittelvergabe entschieden und wann erfolgt diese? Im Unterschied zum eher emotionalen Spendenbrief, ist das Anschreiben zum Stiftungsantrag ganz sachlich gehalten. Es lohnt sich, Mühe und Sorgfalt darauf zu verwenden. Der Stiftungsantrag ist wie ein Bewerbungsschreiben. Wenn es den Anforderungen nicht genügt, landet es unmittelbar auf dem Stapel „Absagen“.

Spendenbriefe
Die wichtigste Zielgruppe für Sie sind die Mitglieder Ihrer Kirchengemeinde. Sie haben quasi den größten Nutzen von „ihrer Kirche“. Zur Ansprache empfiehlt sich hier der klassische, persönliche Spendenbrief. Sie können alle Haushaltsvorstände anschreiben oder eine Adress-Auswahl nach verschiedenen Kriterien treffen und  z.B. langjährige,  treue Spender gezielt ansprechen. Der Brief sollte nicht länger als eine  bis maximal anderthalb Seiten sein – wichtige Informationen stehen im Flyer, den Sie ebenso wie einen Überweisungsträger beifügen. (Das Thema Spendenbrief werden wir in einer der nächsten Ausgaben ausführlich behandeln.)
Ein großes Sanierungsprojekt bietet viele Möglichkeiten, konkrete Angebote zu machen: Dachziegel oder qm Dachfläche, Fußbodenplatten, Treppenstufen, Fenster, Kirchenbänke, etc. Je konkreter die Angebote sind, desto eher lassen Menschen sich darauf ein, weil sie wissen, was sie mit ihrem Beitrag unterstützen. Eine Idee für eine Aktion zeigt das Beispiel der Stadtkirche Wittenberg auf der nächsten Seite.

Events und offene Kirche
Nicht nur die Kirchenmitglieder haben ein Interesse an einer „schönen“ Kirche. Als Identifikationspunkt der Stadt oder der Kommune liegt das Gebäude oft auch anderen Bewohnern am Herzen. Ist Ihre Kirche eine „besondere“, die auch von Touristen besucht wird? Dann könnte eine Spendenbox in der „offenen Kirche“ auch hier eine Unterstützungsmöglichkeit bieten. Vielleicht baut Ihnen ein Tischler ein Modell Ihrer Kirche?

Eine andere Möglichkeit, Ihre Kampagne im Gespräch zu halten und gleichzeitig Spenden zu sammeln, sind Events. Das können Benefizkonzerte sein, Kanzelreden mit Prominenten, ein Spendenball, ein Sommer-Picknick, eine Fahrrand-Ralley etc. Ihrer Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt. Bei solchen Gelegenheiten sollten Sie Anwesenheitslisten auslegen,  mit denen z.B. weitere Informationen angeboten werden. Wer einen Kontakt wünscht, kann künftig auch mit einem persönlichen Brief angesprochen werden.

Gemeindebrief / Kirchenzeitung
Ein ganz wichtiger Kommunikationskanal ist Ihr Gemeindebrief. Er erreicht sehr viele Haushalte und wird (hoffentlich) gern zur Hand genommen. Hier sollten Sie ebenso wie auf Ihrer Website regelmäßig über Baufortschritte und den aktuellen Spendenstand  berichten. Zeigen Sie in jedem Gemeindebrief Möglichkeiten auf, wie Menschen Ihrer Kirche helfen können:  z.B. durch einmalige oder regelmäßige Spenden; durch Geschenkverzicht für den guten Zweck; durch ehrenamtliche Mitwirkung als Kampagnenhelfer; durch Online-Spenden (falls möglich); durch Teilnahme an der Fahrrad-Ralley; durch kreative Ideen oder durch Weitersagen, um  Andere zur Unterstützung zu motivieren.

Ansprache von Unternehmen
Egal ob Sie wegen Sponsoring oder wegen einer Unternehmensspende (den Unterschied haben wir in Heft … erläutert) anfragen, Unternehmen erwarten eine sachliche Ansprache und ausreichende Informationen. Wie hoch sind die Gesamtkosten? Welche Finanzierungsquellen wurden erschlossen und welche Mittel konnten bereits akquiriert werden? Unternehmen wollen Gewissheit, dass die Projektfinanzierung gelingt.

Auch bei der Ansprache von Unternehmen sind im Vorweg einige Klärungen zu treffen. Wer ist der richtige Ansprechpartner, d.h. wer entscheidet über die Mittelvergabe? Gibt es Fristen und Formalia, die zu beachten sind? Wo engagiert sich das Unternehmen bereits? Gibt es in Ihrer Gemeinde Kontakte zu Schlüsselpersonen im Unternehmen?
Den größten Erfolg hat bei der Ansprache von Unternehmen und Großspendern erzielen Sie im persönlichen Gespräch. Wenn also der Pfarrer oder ein Kirchenvorsteher einen guten Kontakt zum Entscheider eines Unternehmens hat, dann sollte die Anfrage durch diese Person erfolgen. Da reicht oft ein Telefonat zur Gesprächsvereinbarung. Ansonsten empfiehlt sich folgendes Vorgehen:  Als erstes ein Telefonat, das Zuständigkeiten und grundsätzliche Möglichkeiten klärt. Dann folgt ein Brief an eine zuständige Person. Schreiben Sie niemals an Firma Meyer Schulze, ohne eine Person anzusprechen. In dem Brief, der nicht länger als ein bis anderthalb Seiten sein darf, stellen Sie kurz das Projekt, die Dringlichkeit und Ihre Bitte um Unterstützung dar. Je nachdem, wo das Unternehmen ansässig ist, bitten Sie um einen persönlichen Gesprächstermin (in Ihrer Region) oder machen Ihr Anliegen in deiner anschaulich gestalteten und informativen Broschüre oder Mappe deutlich. In diesem Fall enthält das Anschreiben bereits die konkrete Bitte um Unterstützung.

Dank ist mehr als Höflichkeit
Vor dem Spendenbrief und vor der Ansprache von Unternehmen und Stiftungen steht der Dank. Eine festgelegte Danksystematik regelt wem in welcher Weise gedankt wird.
 

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

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Literaturverzeichnis

 

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