Vor allem bei größeren und aufwändigen z.B. Kirchensanierungsprojekten stellt sich die Frage nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten.

Förderquellen entdecken

Kirchliches Fundraising wendet sich zunächst an Kirchenmitglieder, denn hier besteht bereits eine Beziehung. Mag das Beziehungsband auch eher lose sein, so sind sie doch die ersten Ansprechpartner bei der Bitte um finanzielle Unterstützung.

Spenderstudien zeigen immer wieder: Kirchenmitglieder sind gute Spender. Auch kirchliches Fundraising wendet sich zunächst an Kirchenmitglieder, denn es besteht bereits eine Bindung zur Kirchengemeinde und mag sie auch eher lose sein. Aber sie werden auch von verschiedenen Nonprofit Organisationen und von kirchlichen Einrichtungen und Werken - wie z.B. der Diakonie oder Brot für die Welt - um Unterstützung gebeten.  Alle sind es zweifellos wert, unterstützt zu werden. Wir stehen damit allerdings in einem binnenkirchlichen Wettbewerb um die Gunst unse-rer Mitglieder, deren Unterstützungsmöglichkeiten letztlich auch begrenzt sind. Es ist darum rat-sam zu schauen, ob und wo noch andere Finanzierungsquellen sprudeln.

Foto: epd-Bild

Landeskirchliche Mittel
Steht ein größeres oder spezielles Projekt an (z.B. ein Inklusionsprojekt in der KiTa, die Restaurierung der Orgel, Förderung ehrenamtlichen Engagements, Pilgerwege etc.), sollten Sie zunächst klären, ob Ihre Landeskirche dafür Mittel zur Verfügung hat. Gibt es landeskirchliche (vielleicht Kollekten-)Mittel? Einige Gliedkirchen haben z.B. Kirchbaufonds oder –Stiftungen eingerichtet, bei denen Sie Anträge stellen können. Ein guter Draht in die Kirchenverwaltung ist sicher hilf-reich!

Stiftungen
Natürlich haben Sie die Klassiker, wie z.B. Stiftung KiBa, Sparkassenstiftung oder Aktion Mensch  im Blick. Wenn Sie in Niedersachsen nach Finanzierungsquellen suchen, werden Sie auch an die Klosterkammer Hannover denken (www.klosterkammer.de). Daneben sollten Sie unter www.stiftungen.org nachschauen welche Förderstiftungen sonst noch in Frage kommen. In diesem Verzeichnis des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen kann nach Förderzwecken und z.B. nach Regionen/Bundesländern gesucht werden. Auch die Stiftungsverzeichnisse der Bundesländer bieten sich für die Recherche an. Sie sind öffentlich und können von jedermann eingesehen werden.

Öffentliche Mittel
Auch wenn öffentliche Mittel immer weiter gekürzt werden, ist es doch der Mühe wert, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Wegen der gesamtstaatlichen und internationalen Bedeutung be-teiligt sich z.B. der Bund an den Vorbereitungen des Reformationsjubiläums. Zuständig ist der Beauftragte für Kultur und Medien. Gefördert werden können national und international be-deutsame Projekte (z.B. Veranstaltungen, Ausstellungen, Sanierung und Substanzsicherung au-thentischer Orte und Stätten der Reformation). Nähere Informationen finden Sie hier: http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Bundesregierung/Beauftragterf...
Auch hier gilt genau zu schauen, was gefördert und unterstützt wird und das eigene Projekt den Erfordernissen anzupassen.

EUFördermittel
Unter die öffentlichen Mittel fallen auch die Fördermittel der EU. Der Weg durch den Dschungel der EU-Programme ist mühsam. Gibt es ein geeignetes Programm und lässt sich Ihr Projekt ent-sprechend anpassen? Einige Gliedkirchen der EKD bieten dazu spezielle Beratung an. Fragen Sie den Fundraising-Beauftragten Ihrer Landeskirche, ob ein Experten für EU-Fördermittel zur Verfügung steht. Umfassende Informationen und Beratung zu EU-Förderprogrammen bietet auch die Servicestelle EU-Förderpolitik und -projekte der EKD in Brüssel. Der kostenlose Newsletter informiert über aktuelle Förderprogramme, Antragsfristen und modalitäten.

Die Beantragung von EU-Fördermitteln ist hoch komplex, dass soll nicht verschwiegen werden. Sie lohnt sich, wenn Ihr Projekt dem EU-Programm angepasst und die europäische Dimension dargestellt werden kann. Die Antragstellung muss sehr sorgfältig geschehen und am Ende des Projektes ist eine Projekt-Evaluation durchzuführen und zu dokumentieren. Bei längeren Projek-ten können zusätzlich Zwischenberichte gefordert werden. Ähnlich wie bei Stiftungen muss auch hier der Antrag vor Projektbeginn gestellt und ein Finanzierungsplan beigefügt werden. Wenn Sie noch nie einen solchen Antrag gestellt haben sollten Sie Hilfe in Anspruch nehmen.

Unterstützung von Unternehmen
Bei Unternehmen können Sie nach Spenden oder auch nach Sponsoringleistungen fragen. Nehmen Sie dabei vor allem kleine und mittelständische Unternehmen in Ihrem Umfeld in den Blick. Die Anfrage bei VW ist für eine Kirchengemeinde in Augsburg weniger erfolgsversprechend als Unternehmen vor Ort. Ansprechbar sind immer auch die Banken, vor allem die, mit denen Sie in Geschäftsbeziehung stehen. Das gilt aber auch für Handwerksbetriebe und Dienstleister. Bei der langfristigen Kirchensanierung sind viele beteiligt: Architekt, Planungs- und Statikbüro, Bauunternehmen etc. Alle, die auf der Bautafel stehen, profitieren von diesem Auftrag. Fragen Sie hier nach den Möglichkeiten finanzieller Unterstützung. Ein Handwerksbetrieb kann u.U. für eine erbrachte Leistung eine Rechnung erstellen und auf deren Erstattung verzichten. Allerdings muss er in diesem Fall die auf der Rechnung ausgewiesene Mehrwertsteuer an das Finanzamt abführen. Vielleicht erhalten Sie auch eine finanzielle Unternehmensspende und stellen dafür eine Zuwendungsbestätigung aus. Oder Sie treffen eine Sponsoringvereinbarung, die eine finanzielle Leistung des Unternehmens und eine werbliche Gegenleistung Ihrer Gemeinde enthält (z.B. Logo-Abdruck auf Werbematerial, Bannern oder Bauplakaten). Vielleicht kann Ihnen die Baufirma alte Balken in kleine Stücke zersägen, die an Spender abgegeben werden können. Fragen Sie den Gerüstbauer, ob das Gerüst kostenfrei auf- und abgebaut werden kann. Die Baufirma könnte zwei bis drei Fachkräfte zur Verfügung stellen, die Ehrenamtliche bei leichten und ungefährlichen Arbeiten anleiten. So sparen Sie Kosten. Auch die Agentur und Druckerei, mit denen Sie Flyer und Broschüren erstellen, können Ihnen eventuell entgegenkommen. Möglichkeiten gibt es viele. Ihre Kreativität und Ihre guten Kontakte werden sich bezahlt machen. Wichtig ist, dass Sie steuerliche Fragen vorab mit Ihrer kirchlichen Verwaltungsstelle klären.

Die Suche nach öffentlichen Fördertöpfen lohnt sich vor allem bei größeren Projekten unbedingt. Sollten Fördermittel gewährt werden, werden kirchliche Spender entlastet, die wie bereits erwähnt immer angesprochen werden.

 

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

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