Liebe Kirchentagsbesucherinnen und -besucher, liebe Kolleginnen und Kollegen,

soviel du brauchst…, die Kirchentagslosung will ausgelegt sein, und viele biblische Texte lassen sich dazu heranziehen. Für den Fundraising-Stand mag es ein Wort aus dem Petrusbrief sein, das uns ins Gebet nehmen möchte: Dient einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der bunten Gnade Gottes.

Wir hier, die wir Dienst tun auf diesem Stand, haben in unserer Kirche ein ungeheures Privileg: In einer Zeit, wo die meisten Mitarbeitenden in der Kirche auf einen zunehmenden Mangel schauen müssen, dürfen wir uns - und das von Amts wegen - mit den Reichtümern und Schätzen in unserer Kirche und darüber hinaus beschäftigen. Wir dürfen wie mit einer besonderen Brille - ich meine jetzt nicht eine rosarote! - auf unsere Kirche und in sie hinein schauen mit einem einzigen Blickwinkel, dem Blickwinkel auf die Gaben und Begabungen, auf die Charismen und Talente. Und wenn wir das tun, dann schauen wir nicht in ein Dunkel, sondern dann sehen wir eine ungeheure Fülle.

Und so möchte ich Sie einladen, Ihren Blick in Gedanken einmal mit schweifen zu lassen auf diese Fülle.
Lassen Sie doch Ihren Blick zuerst einmal schweifen auf unsere Kirchen, auf die Gebäude:  Kirchengebäude sind Gestalt gewordene Kulturräume. Sie prägen bis heute das Ortsbild einer Gemeinde, eines Stadtteils oder einer ganzen Stadt. In ihrer Ausstrahlung wirken sie weit über den Mitgliederbestand der Kirchengemeinde hinaus. Menschen knüpfen die Erinnerungen an Wegmarken ihres Lebens und ihres Glaubens an ihre Kirche: „Hier bin ich getauft, hier bin ich konfirmiert, hier bin ich getraut worden…“

Mit ihrer Orgel als Königin der Instrumente ist die Kirche Zentrum der Kirchenmusik. Ein Orgelkonzert erreicht über die Gottesdienstbesucher hinaus ganz andere Milieus.
Wenn Kirchenarchitektur und ihr Umgang damit das Charisma sind, eine Gemeindekonzeption vor Ort im Kirchenraum Gestalt werden zu lassen, ist das schon ein riesiger Reichtum unserer Gemeinden. Zu allen Zeiten hat die Kirchenarchitektur das Evangelium in Stein gemeisselt. Die Kirche predigt in ihrer Gestalt mit. Offene Kirchen ermöglichen eigene Zeiten für Besinnung und Gebet, Wahrnehmung der Ausstrahlung einer Kirche und Besichtigung von Ausstellungen. Kirchen bereichern unser Leben, sagen viele und besuchen - vor allem auch in Urlaubszeiten - unbekannte oder bekannte Kirchen.

Der zweite Blick kann hier ganz nah sein. Wenn Sie ihren Blick schweifen lassen hier auf dem Kirchentag nur über den Markt der Möglichkeiten, sehen Sie mehrere hundert Stände, auf denen Ihnen Menschen ein Projekt nahebringen möchten, von dem sie selbst begeistert sind. Auch dies ist eine ungeheure Fülle vom Leben in unseren Gemeinden, in unseren Kirchen. Hier zeigt sich, ein besonderer Schatz sind unsere ehrenamtlich Mitarbeitenden in vielen Feldern, in denen Kirche aktiv ist. Ehrenamtliche sind im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar.

Und wenn ich Sie nun bitte, in Gedanken Ihren Blick schweifen zu lassen über Menschen mit ihren Gaben und ihrem Vermögen in Ihrer Region, in Ihrer Gemeinde, so werden unsere Blicke sehr unterschiedlich sein. Wir sehen vielleicht Menschen, die besonders begabt sind, wir sehen Menschen, die etwas vermögen und ihre Begabungen einsetzen, und wir sehen vielleicht Menschen mit Vermögen, mit dem sie Gutes tun könnten, soziale, caritative seelsorgliche Projekte unterstützen könnten. Häufig wird nur das Letzte mit Kirchlichem Fundraising in Verbindung gebracht.

An dieser Stelle ist es auch erlaubt, den Blick in sich hinein schweifen zu lassen. Auch ich bin ein Mensch mit Gaben und Begabungen. Sind sie alle schon entdeckt? Werden sie so wert geschätzt, wie ich es mir wünsche? Liegen einige noch brach und müssten gefördert und gefordert werden?

Aus dem Petrusbrief haben wir gehört: Dient einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der bunten Gnade Gottes. Fundraiserinnen und Fundraiser in unseren Kirchen verstehen dieses Wort als eine Aufgabe, den Blick zu schärfen in unseren Gemeinden, welche Gaben und Begabungen es gibt, und welche vielleicht auch noch als verborgene Schätze schlummern, als Schätze, die entdeckt und geborgen werden können.
Fundraiser sind sich bewusst und möchten für dieses Bewusstsein werben, dass Charismen und Talente, Gaben und Begabungen nicht unser Verdienst sind, sondern Gottes Geschenk an uns.

Darum braucht es in unseren Gemeinden, in unseren Kirchen noch viel mehr eine ausgeprägte Kultur der Dankbarkeit, der Dankbarkeit für die Fülle und den Reichtum, mit dem wir gesegnet sind. Das fällt vielen angesichts des Mangels, der für viele im Vordergrund steht und der auch real da ist, nicht leicht.
Das Kirchentagsmotto Soviel du brauchst lässt uns besonders auf den Mangel blicken und auf den Überfluss in unserem Leben und in unserer Welt.
Charismen und Talente, Gaben und Begabungen als Gottes Geschenk sind aber niemals Überfluss, sondern von Gott gewollte Fülle auch in unserem eigenen Leben.
Davon dürfen und sollen wir sogar Gebrauch machen und auch Lust bekommen, Schätze zu entdecken und Schätze zu heben. Die kirchensoziologischen Studien der Evangelischen Kirche in Deutschland werden ja nicht müde zu betonen, dass wir 80 % unserer personellen und finanziellen Ressourcen in der Kirche ausgeben für 20 % unserer Mitglieder. 80 % unserer Mitglieder mit ihren Charismen und Talenten, Gaben und Begabungen kennen wir EKD-weit noch nicht. Zum Aufspüren solcher Schätze wünsche ich Ihnen viel Entdeckerfreude.

Dient einander, ein jeglicher mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der bunten Gnade Gottes.
Amen.

Zu einer Kultur der Dankbarkeit gehört nicht nur im gottesdienstlichen Rahmen die Fürbitte für die Schätze unserer Kirche


Fürbittengebet:
Großzügiger Gott,
beschenkt hast du uns mit Gaben und Begabungen, mit Charismen und Talenten. Sie bereichern unser Leben. Wir danken dir dafür.
Wir danken dir für unsere Kirchen und Gemeindezentren. Sie sind Gestalt gewordene Zeugen für Deine Gegenwart. Sie erinnern uns und mahnen uns, dass du keiner ferner Gott bist, sondern uns nahe kommst.
Wir danken dir für die Menschen, die in unseren Gemeinden tätig sind und ihre Lebenszeit dafür spenden:
Bei Gemeindefesten, in Selbsthilfegruppen, als Lektoren oder Prädikanten, in eine-Welt-Läden, in Bibelwochen und Bibeltagen, in Krabbelgruppen, in der Telefonseelsorge, in den Presbyterien oder Kirchenvorständen, bei Freizeiten oder Einkehrtagen, bei Lebensmitteltafeln oder in der Suchthilfe, beim Weltgebetstag oder in der Nachbarschaftshilfe, in Kirchen- Gospel oder Posaunenchören, in der Gemeindebriefredaktion, bei Spenden- und Sammelaktionen im Fundraising, bei Aktionen zu Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, im Besuchsdienst oder in der Altenarbeit, in Hobbygruppen oder der Arbeit mit Migranten, in Frauen- oder Männergruppen.
Sie alle und noch viel mehr geben unserer Kirche ein menschliches Antlitz in Freude und Leid, in Glück und in Not. Ihre Visionen geben anderen Kraft oder die Bereitschaft zum Teilen.
Wir danken dir für die Gaben und Begabungen, mit denen du uns gesegnet hast. Auch sie bereichern unser Leben. Hilf uns, dass aus unseren Herzensangelegenheiten Visionen werden und aus Visionen sich Projekte entwickeln können.
Schenke uns Freude beim Entdecken von Mitstreitern, und bewahre uns, dass wir Fülle von Überfluss unterscheiden können. Bewahre uns, dass wir ohne Neid auf die Gaben von anderen schauen können und die Begabungen von anderen unterstützen, wo es nötig erscheint.
Und das, was uns sonst bewegt, legen wir hinein in die vertrauten Worte des Gebetes unseres Herrn:
Vater Unser / Segen

Joachim Müller-Lange
Kirchenrat
Fundraising-Beauftragter
Evangelische Kirche im Rheinland

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

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Literaturverzeichnis

 

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