Kirchensanierung in Voslapp – Eine gelungene Fundraising-Kampange

Das Projekt

Auch wenn die St. Martin Kirche in Voslapp, einem Stadtteil von Wilhelmshaven, im Verhältnis zu anderen Kirchen mit 50 Jahren recht jung ist, waren in der Kirche im Jahr 2012 umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten nötig. Darüber hinaus sollte das Kirchengebäude energetisch saniert und zukunftstauglich gemacht werden. Ein weiterer Schwerpunkt war, die Kirche wieder neu als liturgischen Raum zu entdecken und so den Bedürfnissen und Notwendigkeiten der Menschen, die sie aktuell nutzen, anzupassen.

Das Volumen der Baumaßnahmen lag bei rund 350.000 Euro. Der Großteil der Mittel wurde vom Oberkirchenrat der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg zur Verfügung gestellt. Dies war jedoch mit der Auflage verbunden, einen Eigenanteil in Höhe von 10.000 Euro aufzubringen.

Die Vorgehensweise

Wenn es auch kein „Pappenstiel“ für eine Gemeinde mit 1.800 Mitgliedern ist, 10.000 Euro an zusätzlichen Spenden einzuwerben, hat sie sich dieser Aufgabe gern und äußert engagiert gestellt. Zudem wurde auch noch die Erneuerung der 50 Jahre alten Küche mit 10.000 Euro beschlossen, die ebenfalls aus Eigenmitteln finanziert werden sollten.

Neben dem Einwerben der finanziellen Spenden war es das Ziel, die Gemeinde insgesamt zu stärken, indem sie sich für die Kirche und die Baumaßnahmen einsetzt. Auch war es ein großes Anliegen der Gemeinde, nicht nur anzunehmen, sondern auch selber zum Gelingen der Maßnahme beizutragen.

Über die geplanten Baumaßnahmen wurden die Gemeindeglieder regelmäßig im Vorfeld unterrichtet. Zeitnah vor Beginn der Maßnahmen fand eine öffentliche Sitzung des Gemeindekirchenrats mit Besichtigung der zukünftigen Baustelle statt. An dieser Sitzung nahm die Beauftragte für Fundraising der oldenburgischen Kirche teil und informierte über die verschiedenen Möglichkeiten des Fundraisings. Neben dem Ziel, die Gemeinde zu informieren, galt es, eventuell bestehende Ängste und Befürchtungen bezüglich der bevorstehenden „Bettelei“ abzubauen.

In dieser Runde stellte der Gemeindepastor ebenfalls die bis dahin geplante Fundraising-Kampagne vor. Es wurden weitere Ideen gesammelt und Mitglieder gefunden, die sich aktiv an der Umsetzung beteiligen wollten.

Den aktuellen Stand der Kampagne und die geplanten Zeiträume für die einzelnen Aktionen konnten alle Interessierten im Gemeindebrief und auf der Homepage verfolgen. Eine Spendentorte zeigte dort den jeweils aktuellen Spendenstand. Über die noch geplanten und bereits abgeschlossenen Aktionen wurde mit Fotos und Texten im Gemeindebrief und auf der Homepage berichtet. Auch wurden – nach Absprache – die Namen von Spendenden veröffentlicht.

Alle Beteiligten konnten so am Fortgang „ihres Projektes“ teilhaben, erkennen, wo ihre Unterstützung noch nötig war und ihren Beitrag respektiert und wahrgenommen wissen.

Insgesamt umfasste die Fundraising-Kampagne acht Bausteine.

Talente wecken und mit Pfunden wuchern

Im Mai 2012, am Pfingstsonntag, startete die Kampagne mit einem Gottesdienst zum Thema „Talente wecken und mit Pfunden wuchern“. Die thematische Grundlage bildete das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Matthäus 25) bzw. Pfunden (Lukas 19). Anhand des Gleichnisses wurde deutlich gemacht, dass mit den uns anvertrauten Talenten gerne – zum Nutze der Allgemeinheit – gewuchert werden darf. An rund 40 Personen wurden je zehn Euro gegeben, die dann vermehrt werden sollten. Diese Aktion war auf sechs Wochen angelegt. Am 8. Juli fand ein Dankgottesdienst statt, zu dem alle Beteiligten das Geld, das sie eingenommen hatten, mitbrachten.

Insgesamt kamen mit dieser Aktion rund 1.800 Euro zusammen. Besonders zu erwähnen ist ein Fest des Kindergartens. Die Kinder konnten den stolzen Betrag von 600 Euro beisteuern.

Sponsorenlauf

Im Rahmen des von der politischen Gemeinde jährlich organisierten Sommerfestes fand ein „Sponsorenlauf rund um die Kirche“ statt. Die Läuferinnen und Läufer haben je Runde zwischen 50 Euro-Cent und zwei Euro von ihren jeweiligen „Sponsoren“ erhalten. Hier kamen rund 1.200 Euro zusammen.

Gezielte Ansprache von Unternehmen

Nicht nur an den Baumaßnahmen beteiligte Firmen wurden um Spenden und Unterstützung gebeten, sondern auch die in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche gelegenen – also zur Gemeinde gehörenden. Diese persönliche Ansprache war natürlich mit einem erhöhten Zeitaufwand verbunden, hat sich aber gelohnt, da neben der finanziellen Unterstützung so auch Fürsprecher gewonnen werden konnten, die das Anliegen weitergetragen haben.

Freiwilliges Ortskirchgeld

In der Gemeinde ist es Tradition, um ein freiwilliges Ortskirchgeld zu bitten. Im Zuge der Sanierung wurde natürlich für diesen Zweck geworben. Die gute Informationspolitik und Einbindung der Gemeinde hat sicherlich dazu beigetragen, dass dieser Spendenaufruf ein voller Erfolg wurde.

Kollekten

Die Baumaßnahmen starteten im Juni 2012 und wurden Anfang März 2013 offiziell mit einem Dankgottesdienst abgeschlossen. In dieser Zeit wurde in 15 Gottesdiensten um Gaben für die Sanierung gebeten.

Waffelverkauf

Die Jugendlichen der Gemeinde verkaufen zu verschiedenen Gelegenheiten immer mal wieder Waffeln zugunsten bestimmter Vorhaben. Im Aktionszeitraum waren die Erlöse für die Kirchensanierung vorgesehen.

Spendendosen

Es wurden 15 wieder verwendbare Spendendosen angeschafft, die mit dem Logo der Baumaßnahme und entsprechendem Text versehen waren. Sie wurden in Firmen und Einrichtungen rund um die Kirche aufgestellt. Wenn sie finanziell auch nicht viel zum Gelingen beitrugen, so haben sie dennoch in der Öffentlichkeit das Vorhaben sichtbar gemacht und immer wieder bei den Menschen in Erinnerung gebracht.

Verkauf eines Gemeindekochbuches

Eine Gruppe von Frauen der Kirchengemeinde hat für die Region typische Rezepte in einem Buch zusammengetragen, das im Rahmen des Kirchenjubiläums verkauft wurde. Der Verkauf war so erfolgreich, dass eine weitere Auflage in Auftrag gegeben werden konnte. Die gesamte Abwicklung wurde von den Frauen ehrenamtlich übernommen, so dass der Verkaufserlös abzüglich der Herstellungskosten auf das Spendenkonto geflossen ist.

Folgen

Die umfangreiche Kampagne hat der Gemeinde einen nachhaltigen Kompetenzschub in Fundraisingfragen gebracht. Sie war im Vorfeld bereits aktiv und am Thema überaus interessiert. Aber zu erfahren, welche Möglichkeiten und Ergebnisse mit Fundraising möglich sind, bestärkte die Gemeinde darin, es weiter strategisch auszubauen und die Kontakte zu den (z.T. neu gewonnenen) Spendenden zu pflegen.

Das finanzielle Ziel für die Baumaßnahme wurde mit der Kollekte beim Dankgottesdienst im März erreicht, in dessen Mittelpunkt der Dank für die gelungene Baumaßnahme stand. Verschiedene Chöre und der Bläserkreis trugen durch ihre freudvollen Darbietungen zum Gelingen bei. Die Gemeinde, die sich auf so vielfältige Weise an dem Erfolg beteiligt hat, wurde aktiv in den Gottesdienst einbezogen und aufgefordert, ihren „Lieblingsplatz“ in der neu gestalteten Kirche zu nennen. Im Anschluss wurde die Gemeinde zu einem Dankcafé ins Gemeindehaus eingeladen.

Die Kirchengemeinde ist zuversichtlich, auch die jetzt noch fehlenden 2.500 Euro für die Küche durch Spenden zusammenzubekommen. Wenn das erreicht ist, wird die Kirchengemeinde sich neuen Projekten zuwenden, und die Gemeindeglieder bei der Umsetzung um Mithilfe bitten. Dadurch erhofft sich der Gemeindekirchenrat, dass die Menschen im Stadtteil sich wieder mehr für das Wohl und die Arbeit ihrer Kirche verantwortlich fühlen.

 

Pastor Peter Sicking

www.ev-kirche-voslapp.de

Silke Timmermann

Beauftragte für Fundraising der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg

E-Mail: fundraising@kirche-oldenburg.de

KOLUMNE DES MONATS

Pastor Klaus Struve berichtet in dieser Kolumne über die Kunst des Fundraisings, Herz und Verstand zusammenzubringen.

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Literaturverzeichnis

 

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